Körperhüllen: Not Beautiful

Der Reiz des Nicht-Schönen

In zeitgenössischen Ästhetikfragen wird oft das Interesse am Nicht-Schönen betont. Vor allem wenn es um unsere direkte gestaltete Umgebung geht, die sich auf unsere Identität bezieht, die Architektur, die Objekte und Kleidung um uns, dann empfinden wir die nicht-schöne Hülle als reizvoller, als prägnanter und charakteristischer. Ist es die Provokation des Idealen die wir suchen? Steht der Bruch mit dem Vollkommenen, dem absolut Schönen für eine Kritik an der Konvention und dem Angepassten? Einige Schlüsselfiguren der Zeitgeistwelten wie der Mode präsentieren sich mit statements des »not … s.th. …«, formuliert wird »not fashionable«, »not nice«, »not beautiful«. Ist damit gemeint: nicht konform, nicht Mainstream, und provoziert einen Bruch mit der anerkannten Ästhetik? Warum wird ausgerechnet schräge, schrille oder hässliche Mode gerade so begehrenswert »cool« angesehen?

Kleidung selbst spielt eine wichtige Rolle darin Erscheinung und Bedeutung zu konstruieren, Mode veranschaulicht unsere zeitgenössischen Ideale sowie die gesellschaftlichen Ängste. Wir geben unserer Identität Ausdruck mit dem was wir an und um uns tragen. Drückt diese Anti-Mode den Wunsch nach einer vielfältigeren befreiteren Gesellschaft aus, in der jeder seine individuelle Identität kommunizieren kann? Oder reicht unsere Angst vor dem Gewöhnlichen her von dem wachsenden Narzismus in einer Gesellschaft, die sich über social media dauernd zur Schau stellt, in der jeder Einzelne sich als besonders und einmalig darstellen möchte?

Das Bedürfnis über das Anstossende, über eine verdrehte Ästhetik aufzufallen wird von Designlabels wie Vetement, Gucci, Prada, Balenciaga in ihren neuen Kollektionen bedient. Oder sind diese Entwicklungen nur ein Revival der Jahrtausendwende? Der Reiz des Hässlichen, wurde schon in der Geschichte der Ästhetiklehre untersucht und beginnend bei Aristoteles, wiederaufgenommen in der Moderne und Postmoderne von Adorno, Bataille, Eco … Wir wollen in diesem Semester diesen Mythos des Nicht-Schönen gerade in der heutigen Zeit gestalterisch beleuchten. Wir werden Beobachtungsstudien anstellen und mit Form und Material experimentieren. Schliesslich wird in analoger Umsetzung, ein life-size Modell realisiert, eine K.rperhülle wird entwickelt die die Grenzen der Ästhetik auslotet.

Module:

KD26: Projektarbeit 1
KD30: Projektarbeit 2

Teilmodule:

Designprojekt
Grafikdesign

Patricia Hepp

4. bis 7. Semester

Mittwoch
14:15 - 17:30
Raum I.1.26

open for non-german-speaking students